Was ist eine Distribution?

Linux ist an sich kein Produkt, sondern ein Betriebssystemkern, "Kernel" genannt. Das ganze Drumherum, Anwendungen, Oberfläche, Browser, Netzwerktools, usw. sind streng genommen gar nicht linuxspezifisch, die gibts seperat im Internet.

Prinzipiell kannst du dir alles, was du auf einer Linux-CD findest, auch selber aus dem Internet herunterladen, und einige Leute machen das auch (siehe http://www.linuxfromscratch.org/). Aber es gibt Firmen (und Organisationen), die dir diese Arbeit abnehmen und dafür etwas Geld verlangen, siehe LinuxDistributionen.

Du bezahlst bei z.B. SuSE Linux nicht für das Betriebssystem und nicht für die Lizenz. Du bezahlst

Wieso die vielen verschiedenen Versionen von Linux?

Ist es nicht besser nur eine Version zu entwickeln und alles in diese eine Version zu stecken?

Zum einen sind Monokulturen ungesund, wie man an den vielen infizierten IIS - Webservern sieht. Ferner ist kooperierender Wettbewerb ("?Coompetition" genannt, in der Linux-Welt) eine gute Sache. Je größer eine Gruppe wird, umso starrer werden auch die Strukturen, und eine kleine neue Idee hat da selten eine Chance. Dann können die Linux-Distributoren ja voneinander lernen, und ihre Ideen werden gegenseitig übertragen. (z.B. hat SuSE sehr viel Arbeit in das ISDN-Subsystem für Linux gesteckt, aber benutzen tun es trotzdem alle Distributionen).

Dann haben die Distributionen auch zum Teil andere Zielgruppen. SuSE und Redhat sprechen Einsteiger und große Firmen an, denen Details egal sind, wenn es funktioniert und wenn sie jemanden haben, der es am laufen hält. Debian ist eher für Leute, die bereit sind mehr zu lernen, wenn sie dafür ein "saubereres" System bekommen, und die sich für "einfache" Wartbarkeit interessieren, wobei "einfach" hier eher in Richtung "schränkt meine Kreativität nicht ein" zu verstehen ist.

Conectiva deckt den brasilianischen Markt ab, Turbolinux hat Clusterlösungen, die NSA hat ein ?SecurityEnhancedLinux für kritische Anwendungen herausgebracht, und IBM, SGI usw. benutzen diese Distributionen für ihre eigenen Zwecke.

Kompatibilität

Die Distributionen sind "unter der Haube" alle sehr ähnlich. Was sich unterscheidet, sind oft die Frontends, und ein paar kleine Details. Debian hat das mit abstand am besten funktionierende Paketmanagementsystem, aber noch keine vollständige grafische Oberfläche dafür. SuSE hat alles in ihr SuseYast gestopft, von Hardwareerkennung über Netzwerkeinrichtung usw. Es gibt Frontends wie Webmin (http://www.webmin.com/) für die Administration eines Systems per Browser.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, daß die verschiedenen Distributionen sich weniger unterscheiden als die verschiedenen Windows-versionen dies es gibt. Linux ist vom PDA bis zur S/390 exakt der gleiche Kern und exakt die gleiche Systemumgebung. Wer also behauptet, Linux würde zersplittern und Windows wäre "aus einem Guss", der hat irgendetwas nicht verstanden.

JensBenecke